Caracas - Panorama

CARACAS

Kathedrale Museo Bolívar Centro Bolívar Museo de Arte Colonial Museo de Bellas Artes
Rathaus Capitolio Nacional Basilica de Santa Teresa Museo de Arte Contemporáneo Museo de Ciencias Naturales
Casa Amarilla Kirche San Francisco Santa Capilla Complejo Cultural Teresa Carreño
Bolívars Geburtshaus Nationalbibliothek Panteón Nacional Ateneo de Caracas STADTPLAN


Caracas wurde von Dichtern der romantischen Epoche verglichen mit einer schönen Haremsdame, die ergeben zu Füßen des sie liebenden Sultans sitzt. Bei dem modernen Schriftsteller Miguel Marcos dagegen erweckte die Form dieses Tales, eingebettet in sanft geschwungene Hügel, eher das Bild einer indianischen Hängematte, deren Enden befestigt sind an der aufgehenden Morgensonne und am frühen Abendstern.

Im Norden wird Caracas in seiner ganzen Ausdehnung vom teichbewaldeten Avila gesäumt und im Süden von einer Hügelkette, die sich in unterschiedlichen Abstufungen gen Osten hinzieht, wo sie allmählich verschwindet. Im Avila besitzt die Stadt außer einer unerschöpflich kostbaren Frischluftquelle eine erhabene Naturschönheit, in welcher die Sonne allabendlich ihren farbenprächtigen Untergang zelebriert. Obwohl in seinem höchsten Gipfel über 2600 Meter hoch, zeichnet das mächtige Gebirgsmassiv feine Konturen in den Himmel, deren zahlreiche Abstufungen das klare Licht der Tropen in unendlich vielen Schattierungen brechen. Seine ganzjährig grüne Waldvegetation enthält einige der prächtigsten Baumarten der gemäßigten Zone: Bucares, Apamates, Araguaneyes - Schattenspender das ganze Jahr hindurch und in den Monaten April, Mai, Juni verschwenderisch geschmückt mit roten, gelben und weißen Blütenkelchen. Noch an bedeckten Tagen, wenn sich der höchste Gipfel, Silla de Caracas, in dichte Wolken und vorbeiziehende Nebelschwaden hüllt, strahlt der Avila in diesem chromgrauen Glanz eine Ruhe aus, die sich wohltuend auf das Gemüt legt.

Auf dem Gebirgskamm des Avila, inmitten der duftenden Bergwelt des grünen Nationalparks, ist das Hotel Humboldt errichtet worden, ein zylinderförmiger Bau, von dessen zahlreichen Fenstern aus man einen herrlichen Rundblick hat: Auf der einen Seite liegt einem Caracas zu Füßen, auf der anderen das weite Meer. Mit beidem verbindet das Hotel eine Seilbahn, die den Aufstieg zu einem wahren Vergnügen macht! Beim «Gleitflug» zum Hotelgipfel sieht man unter sich dichten Urwald und herausragende Farnriesen - in dieser Landschaft hatte sich der spanische Ritter Don Gabriel de Avila niedergelassen, als er 1567 zusammen mit Kapitän Diego de Losada und seiner Mannschaft hier Caracas gründete.

Die Indios hatten den Berg bis dahin «Guaraira-Repano» genannt, und das Tal trug den stolzen Häuptlingsnamen «Terepaima». Fast jede Station auf dem langen Weg der Eroberer von Westen nach Osten findet sich in den Namen der Stadtteile von Caracas wieder - es sind die klanghaften Zauberformeln der Indios: Macarao, Caricuao, Antimano, Catia, Carapa, Guarataro, Chacao, Baruta, Petare, Tiuna, Tamanaco ... Die beiden Extreme, in denen sich der Stil der städtischen Entwicklung von Caracas bewegt, kann man von der Avilahöhe aus bis zu der Hügelkette, die das Tal an seiner Südflanke umsäumt, gut erkennen.

Am Guaire, dem größten Fluß des Tales und Vater seiner landwirtschaftlichen und städtischen Entwicklung, liegt die Universitätsstadt, eine der ersten in Lateinamerika; sie ist das Werk des berühmtesten venezolanischen Architekten, Carlos Raúl Villanueva. Mit seinen Grünzonen und Ausbildungsgebäuden, einer Krankenhausanlage, den Forschungseinrichtungen, Unterkünften und seinem Wegenetz ist der Universitätskomplex ein integriertes Gesamtkunstwerk, dessen Konstruktionsreichtum und Raumgestaltung - nur vergleichbar mit den Schöpfungen Niemeyers in Brasilien - im Zusammenspiel mit den an Mauern und Plätzen angebrachten Werken zeitgenössischer Künstler (wie Henry Moore, Leger, Vasareli und Mateo Manaure) eine außergewöhnliche künstlerische Ausstrahlung besitzt. Zu bemerkenswert niedrigen Eintrittspreisen werden in der Aula Magna der Universität sehr gute Theater-, Tanz- und Musikvorführungen dargeboten. Auch das olympische Stadion der Uni ist in der ganzen amerikanischen Sportwelt bekannt.

Caracas entstand und entfaltete sich am Lauf des größten Flusses im Tal, des Río Guaire: armer Río Guaire! - Einst verglichen mit der silbernen Saite einer in die Form des Tales geschmiegten Gitarre... Als die spanischen Eroberer hier ankamen, beherrschten seine Wasser das grüne Tal, in welchem die friedlichen Macarao-Indios die schwarze Bohne anbauten, die sie «caragota» nannten, jene urvenezolanischen «caraotas negras», die zum Köstlichsten unserer heutigen transkulturellen Küche gehören.

An den Ufern des Guaire hörten die Konquistadoren auch zum erstenmal das Wort «Caracas», was die indianische Bezeichnung für eine Pflanze (die Amareanthus blitum oder auch Beermelde) war. Ihr Vorkommen im ganzen Tal führte dazu, daß ihr Name in Landkarten und Beschreibungen verwendet wurde und schließlich für das ganze Gebiet galt. Am Guaire wurden die ersten Felder angebaut, hier grasten die ersten Kuhherden, hier entstanden Plantagen, Zuckerrohrmühlen, Gerbereien, Ziegeleien, Holzverarbeitungsbetriebe und Straßen, die einzelne Höfe mit den Nachbarn verbanden und diese Ansiedlungen zu vier Ortschaften zusammenfügten, die dann wiederum eine Gemeinde bildeten - all das wurde gelenkt von dem 16 km langen Lauf dieses Flusses, der heute völlig verdeckt wird von Autobahnzubringerstraßen, Wolkenkratzern und einer Vielzahl unterschiedlicher Gebäude, angefangen von primitiven provisorischen Hütten, dem typischen Merkmal einer rasant wachsenden Stadt, bis hin zu Palästen im Stil des modernen Funktionalismus eines Le Corbusier, herrliche Villen aus der «Belle Epoque»- und mehrfach übereinander gekreuzten Autobahnen. Im Verhältnis zu seiner großzügigen Längsausdehnung ist das Tal von Caracas recht schmal; es ist nirgends mehr als 5 km breit. In diesem natürlich geschützten Hochtal, das leicht mit dem reichlich vom Avila herabfließenden Wasser versorgt werden konnte, gründete Diego de Losada also 1567 Caracas.
Die Plaza Bolívar, Mittelpunkt von Caracas
Obwohl die Plaza Bolívar für das heutige Stadtleben nicht mehr so wichtig ist wie früher, bleibt dieser Punkt der Hauptstadt doch weiterhin bedeutend und beliebt angesichts seines geschichtlichen Stellenwertes. 1870 nach dem französischen Geschmack Guzmán Blancos entworfen, stellt der mit Bäumen und Blumen geschmückte und von einem reichverzierten schmiedeeisernen Zaun umgebene Platz den Libertador dar, der auf seinem fabelhaften bronzenen Pferd gerade in die Lüfte abzuheben scheint. Hier, an diesem schön gestalteten, gefühlsbeladenen und von großen Bäumen stets frisch gehaltenen Ort, schlägt das Herz von Caracas. Die Plaza Bolívar ist Nachfolgerin des Hauptplatzes von Diego de Losada; hier fanden in der Kolonialzeit die Märkte des Dorfes und in den Tagen der ersten Aufstände die öffentlichen Hinrichtungen statt; hier war zu jeder Zeit der allgemeine Treffpunkt, die Nachrichtenzentrale und die politische Rednertribüne der Caraqueños. An der Nordseite des Platzes erhebt sich die Kathedrale, die seit ihrer Gründung im Jahre 1594 mehrere Male durch Erdbeben zerstört worden ist. In ihrem Fundament befinden sich die Gräber der Eltern von Simón Bólivar. Im Kirchenschiff hängt ein berühmtes Rubens-Gemälde und «Das letzte Abendmahl» des venezolanischen Malers Arturo Michelena, das unvollendet blieb, weil der Künstler während der Arbeit unerwartet starb.

An einer anderen Ecke des Platzes, genannt «Principal», befindet sich ein Haus, das während der Kolonialzeit als Regierungssitz und Gefängnis diente. Nach der Unabhängigkeit war es zuweilen Residenz des Präsidenten. Seine Geschichte ist ebenso wie die der Stadt voll von tragischen Episoden, aber auch von solchen, die nur wegen ihrer Komik in Erinnerung geblieben sind. Aus seiner Tür sahen die Caraqueños den ersten Märtyrer der beginnenden Unabhängigkeitskämpfe, Don José María España, auf den Galgen zuschreiten, der auf dem Platz für ihn errichtet worden war. Im Jahre 1900, als ein Erdbeben die Festlichkeit in diesem «Gelben Hause» erschütterte, hatte der dadurch völlig verstörte Präsident Castro die chaplinreife Idee, sich durch einen Sprung vom Balkon auf die Straße zu retten, wobei er einen aufgeklappten Regenschirm als Fallschirm benutzte. Als er sich nach dem ersten Schrecken seiner peinlichen Lage bewußt wurde, fiel dem «gestürzten» Regierungschef nichts Besseres ein, als sich mit einer spontan improvisierten Ansprache an die erstarrten Zuschauer zu wenden in einem lächerlich wirkenden klerikalen Pathos: «Meine lieben Brüder und Schwestern!!...»(Diese Episode wurde uns von Mariano Picon Salas überliefert.)

Der schlichte Bau trägt bis heute den Namen «Casa Amarilla», nachdem Präsident Guzmán es in Gelb, der Farbe seiner Parteiflagge, hatte anstreichen lassen. Bevor der offizielle Präsidentenpalast in Miraflores errichtet worden war, galt das «Gelbe Haus» hinsichtlich seiner Funktion und Bedeutung als die caraqueñische Entsprechung zum «Weißen Haus» in Washington oder zur «Casa Rosada» in Buenos Aires.

In den vielen Jahren, in denen das Außenministerium dort untergebracht war, sind Innenausstattung und Möblierung der Casa Amarilla noch erlesener geworden. Seine eigenwillige Architektur vereint den typischen, von Säulengängen umrahmten Patio im Kolonialstil mit Elementen aus der italienischen Renaissance. Neben einigen wichtigen Werken der venezolanischen Malerei enthält das «Gelbe Haus» auch eine beachtliche Sammlung von Ölgemälden im «Modernen Stil», die eigens aus Europa geholt worden sind zur Verschönerung dieses Gebäudes.

Gegenüber der «Casa Amarilla» steht das Regierungsgebäude des Distrito Federal, im Süden des Platzes der Bischofspalast und auf der östlichen Seite das Rathaus von Caracas. Hier bewahrt die Stadt Schätze ihrer geschichtlichen und künstlerischen Vergangenheit auf. Ein kleines Volksmuseum stellt den Besuchern in bunten Miniaturen Sitten und Bräuche des alten Caracas vor; es ist gewissermaßen eine Ergänzung zu dem Museum, das die Stadtregierung im Lesesaal der Plaza Bolívar unterhält, wo außerdem des häufigeren Tagungen und Ausstellungen stattfinden. Das Capitolio Nacional

Die baumbestandenen Straßen, die diesem Ort seine liebenswerte Note verleihen, heißen seit Guzmán Blancos Tagen bis heute «Boulevards». Sie führen auf den imposanten Bau des Kapitols hin, in welchem der Kongreß tagt. Um einen gepflegten Innenhof im englischen Stil herum stehen die strahlend weißen Gemäuer des Kapitols, im Süden die Sitzungsräume, im Norden der elyptische Saal.

Schon vier Monate, nachdem Guzmán Blanco 1872 den Baubeschluß erlassen hatte, war das Hauptgebäude fertiggestellt. Um Blancos Sinn für das Monumentale und Ostentative zufriedenzustellen, haben die Architekten - Luciano Urdaneta, Roberto García, Hurtado Manrique - in dem Kapitol fast sämtliche Elemente des Neoklassizismus angebracht: attische Figuren und Giebel, Kariatiden, die der Anlage gleichzeitig als Symbol ihrer Erhabenheit und als Dekoration dienen, Säulen und Pilaster - wie bei einem Tempel für antike europäische Götter. Im ausgedehnten elyptischen Saal befindet sich in einer Urne, die nur an Gedenktagen für das Publikum geöffnet wird, der Originaltext der Unabhängigkeitserklärung vom 5. Juli 1811. Gleichzeitg ist dieser ovale Raum eine Galerie der Historiengemälde berühmter Maler über die Heldentaten der venezolanischen Nationalgeschichte.

An die Decke des riesigen Ovals hat der caraqueñische Künstler Martín Tovar y Tovar eine lebendige Wiedergabe der Schlacht von Carabobo, die 1821 die

Unabhängigkeit herbeiführte, gemalt - eine ungewöhnliche Vermittlung dieses epochalen Ereignisses, die noch den heutigen Betrachter fesselt. Die räumliche Aufteilung und perspektivische Gestaltung bewirken, daß der Betrachter sich von jedem Blickwinkel aus immer im Zentrum des Geschehens wähnt und so ganz vereinnahmt wird vom Verlauf der Dinge. Bei dieser ringförmigen panoptischen Darstellung der in heftigem Kampf bewegten Pferde und Menschen fließen Anfang und Ende ineinander über, sodaß die bunte Geschichte der blutigen Entscheidungsschlacht wie in einem niemals endenden Film immer wieder erzählt wird. Dieses gigantische Bildepos wurde abschnittweise in Paris gemalt und von einer eigens zu diesem Zweck nach Venezuela geholten französischen Künstlergruppe im Kapitol angebracht. Die hübsche Umzäunung des ganzen Kapitols ist, ebenso wie der 26-strahlige Brunnen im Innenhof, eine englische Eisenschmiedearbeit; der selbstherrliche General Guzmán ließ die schmiedeeisernen Schnörkel - als ob es sich dabei um ein Handtuch aus seinem Privatbesitz handelte - so formen, daß sie für immer das Monogramm seiner Namensinitialen verkünden.

Gegenüber von diesem Parlamentspalast stehen noch die Kreuzgänge des ehemaligen Franziskanerklosters und die Kirche, in der sich 1813 die Bevölkerung von Caracas versammelt hatte, um Simón Bolívar den Titel «Libertador» (Befreier) zu verleihen. Bis vor einigen Jahren beherbergten die Klosterräume noch die Zentraluniversität, deren Gründung zurückreicht ins 16. Jahrhundert, die Zeit Philipps II. Vor der Erbauung des Kapitols diente das Klostergebäude auch als Parlament; heute werden seine Räumlichkeiten gemeinsam von den Akademien für Geschichte, Sprache, Physik und Mathematik genutzt; in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Nationalbibliothek, in deren Lesesaal auch Ausstellungen und Konzerte veranstaltet werden.

Zusammen mit der Quinta Anauco, heute Kolonialmuseum von Caracas, ist San Francisco in seiner Innenausstattung eines der ganz wenigen übriggebliebenen Beispiele für koloniale Architektur, die es in dieser Stadt noch gibt. Der weitreichende Umgestaltungswahn des Präsidenten Guzmán Blanco beraubte die geschichtsträchtige Kirche ihrer lebendigen Barockfassade, und der Konvent verlor den schlichten Ernst seiner Außenansicht.

Um die ganze Häuserfront von der Kirche bis zur gegenüberliegenden Ecke der mächtigen Protzigkeit des gerade eben fertiggestellten Parlamentspalastes anzupassen, ließ der Caudillo den gesamten Straßenzug im Stil dieser «Kuckkucksuhrengotik» umgestalten.

Nach der Kirchenbesichtigung ist es sinnvoll, den Weg in südlicher Richtung fortzusetzen und das Centro Simón Bolívar und dessen Umgebung zu erkunden. Die beiden jeweils 32 Stockwerke hohen Türme des Centro Bolívar, mit deren Bau 1953 begonnen wurde, galten rund ein Vierteljahrhundert als Wahrzeichen des modernen Caracas. Heute werden sie von den benachbarten Hochhäusern und insbesondere von den Wolkenkratzern des Parque Central weit überragt.

Als Parque Central wird eine Gruppe von sieben Hochhäusern bezeichnet an dem sich im Osten weitere repräsentative Gebäude anschließen. Der in den 80er Jahren fertiggestellte Baukomplex gilt als neues Symbol des modernen Caracas und beherbergt zahlreiche Museen und andere kulturelle Einrichtungen.

Das Museo de Arte Contemporáneo (neben dem Torre Este) wurde 1974 eröffnet und wird als eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Südamerika angesehen. Vom Torre Este führt eine Fußgängerbrücke in östlicher Richtung zum ultramodernen Complejo Cultural Teresa Carreño und dem benachbarten  Ateneo de Caracas. Dieses Kulturzentrum enthält einen Theatersaal mit 2900 Sitzen und einen nach dem Unabhängigkeitskämpfer José Félix Ribas benannten Konzertsaal mit 400 Plätzen; das Athenäum ist vor allem durch seine Werkstatt für Experimentelles Theater bekannt.   Östlich des Parque Central erstreckt sich der bei Freizeitsportlern sehr beliebte Parque de lso Caobos, der auf dem ehemaligen Gelände einer Hacienda liegt. An seinem westlichen Zugang befinden sich drei weitere Ausstellungsgebäude. Die in einem neoklassischen Gebäude untergebrachte Galeria de Arte Nacional zeigt vorwiegend Plastiken und Malereien venezolanischer Künstler des 19. Jh. Größer und thematisch umfassender ist die Fülle von Exponaten im unmittelbar benachbarten Museo de Bellas Artes. Im schräg gegenüber liegenden Museo de Ciencias Naturales ist Venezuelas reichste Sammlung an anthropologischen, archäologischen, ethnologischen, geologischen und zoologischen Funstücken zu sehen.

In östlicher Richtung schließen sich die Plaza Diego Ibarra sowie die Türme des Umweltministeriums und des Justizgebäudes an. In diesem Meer von Hochhäusern fällt die zwischen Esq. Palma und Esq. Santa Teresa gelegene Basilica de Santa Teresa kaum auf. Das an der Stelle von ursprünglich zwei getrennten Kirchen im neoklassischen Stil errichtete Gebäude gehört jedoch wegen einer als wundertätig verehrten Chstistusstatue zu den meistbesuchten Kirchen von Caracas. Vor allem in der Karwoche drängen viele Gläubige in das Gotteshaus. Um die im 17. Jh. geschaffene Holzfigur, die im Volk als «Nazareno de San Pueblo» bekannt ist, rankt sich einei Legende. Danach wurde die Statue 1696 während der Cholera-Epidemie von der hilfesuchenden Bevölkerung in einer Prozession durch die Straßen von Caracas getragen. Als sich das Bildnis in den Ästen eines Limettenbaumes verfing und die Früchte herabregneten, deutete man das als Zeichen für ihre Wirksamkeit. Einigen soll durch den bitteren Saft tatsächlich gehlfen worden sein.

Zwei Blöcke östlich von San Francisco, gegenüber der steinernen Sonnenuhr, die v. Humboldt der Stadt 1801 anläßlich eines Besuches schenkte, steht das Geburtshaus von Simón Bolívar. Nachdem es 1911 in den Besitz der öffentlichen Hand gekommen ist, haben die baulichen Veränderungen, die daran vorgenommen worden sind, weniger dem Erhalt als der Umwandlung in ein Museum gedient, in welchem Briefe, Schlachtpläne und andere Memorabilien des Befreiers sowie WaffenDie Santa Capilla - neogotisches Abbild der Sainte Chapelle in Paris und Dokumente aus dem Unabhängigkeitskrieg ausgestellt sind.

Der Rundgang durch das historische Zentrum schließt mit dem Besuch der beiden nördlich der Plaza Bolívar gelegenen Monumente, der Santa Capilla und des Panteón Nacional. Die Santa Capilla ist das beste Beispiel für die Absicht des frankophilen Präsidenten Guzmán Blanco, Caracas nach dem Vorbild der Seinemetropole umzugestalten. Als Modell für den 1883 in Auftrag gegebenen Kirchenneubau diente das Hauptwerk der Pariser Hochgotik, die Sainte Chapelle auf der lle-de-la-Cité.

Die Kopie war ursprünglich leidlich gut gelungen, hat jedoch durch spätere Umbauten an Ausstrahlung verloren. Der Innenraum birgt das letzte vollendete Gemälde von Arturo Michelena (Die wundersame Brotvermehrung) sowie eine Silberplatte mit der Gravur (Gloria a Maria), die dem Volksheiligen Dr. Hernández zugeschrieben wird. Gottesdienste haben hier niemals stattgefunden. Der Säkularisation unter Guzmán Blanco fiel auch die sechs Häuserblocks nördlich er Plaza Bolívar gelegene dreitürmige Kirche La Santísima Trinidad zum Opfer. Das Gotteshaus wurde zwischen 1874 und 1875 so umgestaltet, daß es nur noch die ihm zugedachte Funktion als nationale Begräbnis- und Gedächtnisstätte erfüllen konnte. Seit der feierlichen Einweihung 1875 heißt es daher offiziell Panteón Nacional. Im Jahr darauf wurden die sterblichen Überreste Bolívars aus der Kathedrale hierher überführt.

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08/02/2007 10:15 a.m. -0400