Caracas wurde von Dichtern der romantischen Epoche
verglichen mit einer schönen Haremsdame, die ergeben zu
Füßen des sie liebenden Sultans sitzt. Bei dem modernen
Schriftsteller Miguel Marcos dagegen erweckte die Form
dieses Tales, eingebettet in sanft geschwungene Hügel,
eher das Bild einer indianischen Hängematte, deren Enden
befestigt sind an der aufgehenden Morgensonne und am
frühen Abendstern.
Im Norden wird Caracas in
seiner ganzen Ausdehnung vom teichbewaldeten Avila
gesäumt und im Süden von einer Hügelkette, die sich in
unterschiedlichen Abstufungen gen Osten hinzieht, wo sie
allmählich verschwindet. Im Avila besitzt die Stadt
außer einer unerschöpflich kostbaren Frischluftquelle
eine erhabene Naturschönheit, in welcher die Sonne
allabendlich ihren farbenprächtigen Untergang
zelebriert. Obwohl in seinem höchsten Gipfel über 2600
Meter hoch, zeichnet das mächtige Gebirgsmassiv feine
Konturen in den Himmel, deren zahlreiche Abstufungen das
klare Licht der Tropen in unendlich vielen Schattierungen
brechen. Seine ganzjährig grüne Waldvegetation enthält
einige der prächtigsten Baumarten der gemäßigten Zone:
Bucares, Apamates, Araguaneyes - Schattenspender das
ganze Jahr hindurch und in den Monaten April, Mai, Juni
verschwenderisch geschmückt mit roten, gelben und
weißen Blütenkelchen. Noch an bedeckten Tagen, wenn
sich der höchste Gipfel, Silla de Caracas, in dichte
Wolken und vorbeiziehende Nebelschwaden hüllt, strahlt
der Avila in diesem chromgrauen Glanz eine Ruhe aus, die
sich wohltuend auf das Gemüt legt.
Auf dem Gebirgskamm des Avila,
inmitten der duftenden Bergwelt des grünen
Nationalparks, ist das Hotel Humboldt errichtet worden,
ein zylinderförmiger Bau, von dessen zahlreichen
Fenstern aus man einen herrlichen Rundblick hat: Auf der
einen Seite liegt einem Caracas zu Füßen, auf der
anderen das weite Meer. Mit beidem verbindet das Hotel
eine Seilbahn, die den Aufstieg zu einem wahren
Vergnügen macht! Beim «Gleitflug» zum Hotelgipfel
sieht man unter sich dichten Urwald und herausragende
Farnriesen - in dieser Landschaft hatte sich der
spanische Ritter Don Gabriel de Avila niedergelassen, als
er 1567 zusammen mit Kapitän Diego de Losada und seiner
Mannschaft hier Caracas gründete.
Die Indios hatten den Berg bis
dahin «Guaraira-Repano» genannt, und das Tal trug den
stolzen Häuptlingsnamen «Terepaima». Fast jede Station
auf dem langen Weg der Eroberer von Westen nach Osten
findet sich in den Namen der Stadtteile von Caracas
wieder - es sind die klanghaften Zauberformeln der
Indios: Macarao, Caricuao, Antimano, Catia, Carapa,
Guarataro, Chacao, Baruta, Petare, Tiuna, Tamanaco ...
Die beiden Extreme, in denen sich der Stil der
städtischen Entwicklung von Caracas bewegt, kann man von
der Avilahöhe aus bis zu der Hügelkette, die das Tal an
seiner Südflanke umsäumt, gut erkennen.
Am Guaire, dem größten Fluß
des Tales und Vater seiner landwirtschaftlichen und
städtischen Entwicklung, liegt die Universitätsstadt,
eine der ersten in Lateinamerika; sie ist das Werk des
berühmtesten venezolanischen Architekten, Carlos Raúl
Villanueva. Mit seinen Grünzonen und
Ausbildungsgebäuden, einer Krankenhausanlage, den
Forschungseinrichtungen, Unterkünften und seinem
Wegenetz ist der Universitätskomplex ein integriertes
Gesamtkunstwerk, dessen Konstruktionsreichtum und
Raumgestaltung - nur vergleichbar mit den Schöpfungen
Niemeyers in Brasilien - im Zusammenspiel mit den an
Mauern und Plätzen angebrachten Werken zeitgenössischer
Künstler (wie Henry Moore, Leger, Vasareli und Mateo
Manaure) eine außergewöhnliche künstlerische
Ausstrahlung besitzt. Zu bemerkenswert niedrigen
Eintrittspreisen werden in der Aula Magna der
Universität sehr gute Theater-, Tanz- und
Musikvorführungen dargeboten. Auch das olympische
Stadion der Uni ist in der ganzen amerikanischen
Sportwelt bekannt.
Caracas entstand und entfaltete
sich am Lauf des größten Flusses im Tal, des Río
Guaire: armer Río Guaire! - Einst verglichen mit der
silbernen Saite einer in die Form des Tales geschmiegten
Gitarre... Als die spanischen Eroberer hier ankamen,
beherrschten seine Wasser das grüne Tal, in welchem die
friedlichen Macarao-Indios die schwarze Bohne anbauten,
die sie «caragota» nannten, jene urvenezolanischen
«caraotas negras», die zum Köstlichsten unserer
heutigen transkulturellen Küche gehören.
An den Ufern des Guaire hörten
die Konquistadoren auch zum erstenmal das Wort
«Caracas», was die indianische Bezeichnung für eine
Pflanze (die Amareanthus blitum oder auch
Beermelde) war. Ihr Vorkommen im ganzen Tal führte dazu,
daß ihr Name in Landkarten und Beschreibungen verwendet
wurde und schließlich für das ganze Gebiet galt. Am
Guaire wurden die ersten Felder angebaut, hier grasten
die ersten Kuhherden, hier entstanden Plantagen,
Zuckerrohrmühlen, Gerbereien, Ziegeleien,
Holzverarbeitungsbetriebe und Straßen, die einzelne
Höfe mit den Nachbarn verbanden und diese Ansiedlungen
zu vier Ortschaften zusammenfügten, die dann wiederum
eine Gemeinde bildeten - all das wurde gelenkt von dem 16
km langen Lauf dieses Flusses, der heute völlig verdeckt
wird von Autobahnzubringerstraßen, Wolkenkratzern und
einer Vielzahl unterschiedlicher Gebäude, angefangen von
primitiven provisorischen Hütten, dem typischen Merkmal
einer rasant wachsenden Stadt, bis hin zu Palästen im
Stil des modernen Funktionalismus eines Le Corbusier,
herrliche Villen aus der «Belle Epoque»- und mehrfach
übereinander gekreuzten Autobahnen. Im Verhältnis zu
seiner großzügigen Längsausdehnung ist das Tal von
Caracas recht schmal; es ist nirgends mehr als 5 km
breit. In diesem natürlich geschützten Hochtal, das
leicht mit dem reichlich vom Avila herabfließenden
Wasser versorgt werden konnte, gründete Diego de Losada
also 1567 Caracas.

Obwohl die Plaza Bolívar für das
heutige Stadtleben nicht mehr so wichtig ist wie früher,
bleibt dieser Punkt der Hauptstadt doch weiterhin
bedeutend und beliebt angesichts seines geschichtlichen
Stellenwertes. 1870 nach dem französischen Geschmack
Guzmán Blancos entworfen, stellt der mit Bäumen und
Blumen geschmückte und von einem reichverzierten
schmiedeeisernen Zaun umgebene Platz den Libertador dar,
der auf seinem fabelhaften bronzenen Pferd gerade in die
Lüfte abzuheben scheint. Hier, an diesem schön
gestalteten, gefühlsbeladenen und von großen Bäumen
stets frisch gehaltenen Ort, schlägt das Herz von
Caracas. Die Plaza Bolívar ist Nachfolgerin des
Hauptplatzes von Diego de Losada; hier fanden in der
Kolonialzeit die Märkte des Dorfes und in den Tagen der
ersten Aufstände die öffentlichen Hinrichtungen statt;
hier war zu jeder Zeit der allgemeine Treffpunkt, die
Nachrichtenzentrale und die politische Rednertribüne der
Caraqueños. An der Nordseite des Platzes erhebt sich die
Kathedrale, die
seit ihrer Gründung im Jahre 1594 mehrere Male durch
Erdbeben zerstört worden ist. In ihrem Fundament
befinden sich die Gräber der Eltern von Simón Bólivar.
Im Kirchenschiff hängt ein berühmtes Rubens-Gemälde
und «Das letzte Abendmahl» des venezolanischen Malers
Arturo Michelena, das unvollendet blieb, weil der
Künstler während der Arbeit unerwartet starb.
An einer
anderen Ecke des Platzes, genannt «Principal», befindet
sich ein Haus, das während der Kolonialzeit als
Regierungssitz und Gefängnis diente. Nach der
Unabhängigkeit war es zuweilen Residenz des
Präsidenten. Seine Geschichte ist ebenso wie die der
Stadt voll von tragischen Episoden, aber auch von
solchen, die nur wegen ihrer Komik in Erinnerung
geblieben sind. Aus seiner Tür sahen die Caraqueños den
ersten Märtyrer der beginnenden Unabhängigkeitskämpfe,
Don José María España, auf den Galgen zuschreiten, der
auf dem Platz für ihn errichtet worden war. Im Jahre
1900, als ein Erdbeben die Festlichkeit in diesem
«Gelben Hause» erschütterte, hatte der dadurch völlig
verstörte Präsident Castro die chaplinreife Idee, sich
durch einen Sprung vom Balkon auf die Straße zu retten,
wobei er einen aufgeklappten Regenschirm als Fallschirm
benutzte. Als er sich nach dem ersten Schrecken seiner
peinlichen Lage bewußt wurde, fiel dem «gestürzten»
Regierungschef nichts Besseres ein, als sich mit einer
spontan improvisierten Ansprache an die erstarrten
Zuschauer zu wenden in einem lächerlich wirkenden
klerikalen Pathos: «Meine lieben Brüder und
Schwestern!!...»(Diese Episode wurde uns von Mariano
Picon Salas überliefert.)
Der schlichte Bau trägt bis
heute den Namen «Casa
Amarilla», nachdem Präsident Guzmán es in
Gelb, der Farbe seiner Parteiflagge, hatte anstreichen
lassen. Bevor der offizielle Präsidentenpalast in
Miraflores errichtet worden war, galt das «Gelbe Haus»
hinsichtlich seiner Funktion und Bedeutung als die
caraqueñische Entsprechung zum «Weißen Haus» in
Washington oder zur «Casa
Rosada» in Buenos Aires.
In den vielen Jahren, in denen
das Außenministerium dort untergebracht war, sind
Innenausstattung und Möblierung der Casa Amarilla noch
erlesener geworden. Seine eigenwillige Architektur
vereint den typischen, von Säulengängen umrahmten Patio
im Kolonialstil mit Elementen aus der italienischen
Renaissance. Neben einigen wichtigen Werken der
venezolanischen Malerei enthält das «Gelbe Haus» auch
eine beachtliche Sammlung von Ölgemälden im «Modernen
Stil», die eigens aus Europa geholt worden sind zur
Verschönerung dieses Gebäudes.
Gegenüber der «Casa
Amarilla» steht das Regierungsgebäude des Distrito
Federal, im Süden des Platzes der Bischofspalast und auf
der östlichen Seite das Rathaus
von Caracas. Hier bewahrt die Stadt Schätze
ihrer geschichtlichen und künstlerischen Vergangenheit
auf. Ein kleines Volksmuseum stellt den Besuchern in
bunten Miniaturen Sitten und Bräuche des alten Caracas
vor; es ist gewissermaßen eine Ergänzung zu dem Museum,
das die Stadtregierung im Lesesaal der Plaza Bolívar
unterhält, wo außerdem des häufigeren Tagungen und
Ausstellungen stattfinden.
Die
baumbestandenen Straßen, die diesem Ort seine
liebenswerte Note verleihen, heißen seit Guzmán Blancos
Tagen bis heute «Boulevards». Sie führen auf den
imposanten Bau des Kapitols hin, in welchem der Kongreß
tagt. Um einen gepflegten Innenhof im englischen Stil
herum stehen die strahlend weißen Gemäuer des Kapitols, im Süden die
Sitzungsräume, im Norden der elyptische Saal.
Schon vier Monate, nachdem
Guzmán Blanco 1872 den Baubeschluß erlassen hatte, war
das Hauptgebäude fertiggestellt. Um Blancos Sinn für
das Monumentale und Ostentative zufriedenzustellen, haben
die Architekten - Luciano Urdaneta, Roberto García,
Hurtado Manrique - in dem Kapitol fast sämtliche
Elemente des Neoklassizismus angebracht: attische Figuren
und Giebel, Kariatiden, die der Anlage gleichzeitig als
Symbol ihrer Erhabenheit und als Dekoration dienen,
Säulen und Pilaster - wie bei einem Tempel für antike
europäische Götter. Im ausgedehnten elyptischen Saal
befindet sich in einer Urne, die nur an Gedenktagen für
das Publikum geöffnet wird, der Originaltext der
Unabhängigkeitserklärung vom 5. Juli 1811. Gleichzeitg
ist dieser ovale Raum eine Galerie der Historiengemälde
berühmter Maler über die Heldentaten der
venezolanischen Nationalgeschichte.
An die Decke des riesigen Ovals
hat der caraqueñische Künstler Martín Tovar y Tovar
eine lebendige Wiedergabe der Schlacht von Carabobo, die
1821 die
Unabhängigkeit
herbeiführte, gemalt - eine ungewöhnliche Vermittlung
dieses epochalen Ereignisses, die noch den heutigen
Betrachter fesselt. Die räumliche Aufteilung und
perspektivische Gestaltung bewirken, daß der Betrachter
sich von jedem Blickwinkel aus immer im Zentrum des
Geschehens wähnt und so ganz vereinnahmt wird vom
Verlauf der Dinge. Bei dieser ringförmigen panoptischen
Darstellung der in heftigem Kampf bewegten Pferde und
Menschen fließen Anfang und Ende ineinander über,
sodaß die bunte Geschichte der blutigen
Entscheidungsschlacht wie in einem niemals endenden Film
immer wieder erzählt wird. Dieses gigantische Bildepos
wurde abschnittweise in Paris gemalt und von einer eigens
zu diesem Zweck nach Venezuela geholten französischen
Künstlergruppe im Kapitol angebracht. Die hübsche
Umzäunung des ganzen Kapitols ist, ebenso wie der
26-strahlige Brunnen im Innenhof, eine englische
Eisenschmiedearbeit; der selbstherrliche General Guzmán
ließ die schmiedeeisernen Schnörkel - als ob es sich
dabei um ein Handtuch aus seinem Privatbesitz handelte -
so formen, daß sie für immer das Monogramm seiner
Namensinitialen verkünden.
Gegenüber
von diesem Parlamentspalast stehen noch die Kreuzgänge
des ehemaligen Franziskanerklosters und die Kirche, in der sich 1813 die
Bevölkerung von Caracas versammelt hatte, um Simón
Bolívar den Titel «Libertador» (Befreier) zu
verleihen. Bis vor einigen Jahren beherbergten die
Klosterräume noch die Zentraluniversität, deren
Gründung zurückreicht ins 16. Jahrhundert, die Zeit
Philipps II. Vor der Erbauung des Kapitols diente das
Klostergebäude auch als Parlament; heute werden seine
Räumlichkeiten gemeinsam von den Akademien für
Geschichte, Sprache, Physik und Mathematik genutzt; in
unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Nationalbibliothek,
in deren Lesesaal auch Ausstellungen und Konzerte
veranstaltet werden.
Zusammen mit der Quinta Anauco,
heute Kolonialmuseum von Caracas, ist San Francisco in
seiner Innenausstattung eines der ganz wenigen
übriggebliebenen Beispiele für koloniale Architektur,
die es in dieser Stadt noch gibt. Der weitreichende
Umgestaltungswahn des Präsidenten Guzmán Blanco
beraubte die geschichtsträchtige Kirche ihrer lebendigen
Barockfassade, und der Konvent verlor den schlichten
Ernst seiner Außenansicht.
Um die ganze
Häuserfront von der Kirche bis zur gegenüberliegenden
Ecke der mächtigen Protzigkeit des gerade eben
fertiggestellten Parlamentspalastes anzupassen, ließ der
Caudillo den gesamten Straßenzug im Stil dieser
«Kuckkucksuhrengotik» umgestalten.
Nach der Kirchenbesichtigung
ist es sinnvoll, den Weg in südlicher Richtung
fortzusetzen und das Centro
Simón Bolívar und dessen Umgebung zu
erkunden. Die beiden jeweils 32 Stockwerke hohen Türme
des Centro Bolívar, mit deren Bau 1953 begonnen wurde,
galten rund ein Vierteljahrhundert als Wahrzeichen des
modernen Caracas. Heute werden sie von den benachbarten
Hochhäusern und insbesondere von den Wolkenkratzern des Parque
Central weit überragt.
Als Parque Central wird eine
Gruppe von sieben Hochhäusern bezeichnet an dem sich im
Osten weitere repräsentative Gebäude anschließen. Der
in den 80er Jahren fertiggestellte Baukomplex gilt als
neues Symbol des modernen Caracas und beherbergt
zahlreiche Museen und andere kulturelle Einrichtungen.
Das Museo de Arte
Contemporáneo (neben dem Torre Este) wurde
1974 eröffnet und wird als eine der bedeutendsten
Sammlungen ihrer Art in Südamerika angesehen. Vom Torre
Este führt eine Fußgängerbrücke in östlicher
Richtung zum ultramodernen Complejo
Cultural Teresa Carreño und dem
benachbarten Ateneo
de Caracas. Dieses Kulturzentrum enthält
einen Theatersaal mit 2900 Sitzen und einen nach dem
Unabhängigkeitskämpfer José Félix Ribas benannten
Konzertsaal mit 400 Plätzen; das Athenäum ist vor allem
durch seine Werkstatt für Experimentelles Theater
bekannt. Östlich des Parque Central erstreckt
sich der bei Freizeitsportlern sehr beliebte Parque de
lso Caobos, der auf dem ehemaligen Gelände einer
Hacienda liegt. An seinem westlichen Zugang befinden sich
drei weitere Ausstellungsgebäude. Die in einem
neoklassischen Gebäude untergebrachte Galeria de Arte
Nacional zeigt vorwiegend Plastiken und
Malereien venezolanischer Künstler des 19. Jh. Größer
und thematisch umfassender ist die Fülle von Exponaten
im unmittelbar benachbarten Museo de Bellas
Artes. Im schräg gegenüber liegenden Museo de
Ciencias Naturales ist Venezuelas reichste
Sammlung an anthropologischen, archäologischen,
ethnologischen, geologischen und zoologischen Funstücken
zu sehen.
In östlicher Richtung
schließen sich die Plaza Diego Ibarra sowie die Türme
des Umweltministeriums und des Justizgebäudes an. In
diesem Meer von Hochhäusern fällt die zwischen Esq.
Palma und Esq. Santa Teresa gelegene Basilica de Santa
Teresa kaum auf. Das an der Stelle von
ursprünglich zwei getrennten Kirchen im neoklassischen
Stil errichtete Gebäude gehört jedoch wegen einer als
wundertätig verehrten Chstistusstatue zu den
meistbesuchten Kirchen von Caracas. Vor allem in der
Karwoche drängen viele Gläubige in das Gotteshaus. Um
die im 17. Jh. geschaffene Holzfigur, die im Volk als
«Nazareno de San Pueblo» bekannt ist, rankt sich einei
Legende. Danach wurde die Statue 1696 während der
Cholera-Epidemie von der hilfesuchenden Bevölkerung in
einer Prozession durch die Straßen von Caracas getragen.
Als sich das Bildnis in den Ästen eines Limettenbaumes
verfing und die Früchte herabregneten, deutete man das
als Zeichen für ihre Wirksamkeit. Einigen soll durch den
bitteren Saft tatsächlich gehlfen worden sein.
Zwei Blöcke östlich von San
Francisco, gegenüber der steinernen Sonnenuhr, die v.
Humboldt der Stadt 1801 anläßlich eines Besuches
schenkte, steht das Geburtshaus
von Simón Bolívar. Nachdem es 1911 in den
Besitz der öffentlichen Hand gekommen ist, haben die
baulichen Veränderungen, die daran vorgenommen worden
sind, weniger dem Erhalt als der Umwandlung in ein Museum gedient, in welchem
Briefe, Schlachtpläne und andere Memorabilien des
Befreiers sowie Waffen und
Dokumente aus dem Unabhängigkeitskrieg ausgestellt sind.
Der Rundgang
durch das historische Zentrum schließt mit dem Besuch
der beiden nördlich der Plaza Bolívar gelegenen
Monumente, der Santa Capilla und des Panteón Nacional.
Die Santa Capilla
ist das beste Beispiel für die Absicht des frankophilen
Präsidenten Guzmán Blanco, Caracas nach dem Vorbild der
Seinemetropole umzugestalten. Als Modell für den 1883 in
Auftrag gegebenen Kirchenneubau diente das Hauptwerk der
Pariser Hochgotik, die Sainte Chapelle auf der
lle-de-la-Cité.
Die Kopie
war ursprünglich leidlich gut gelungen, hat jedoch durch
spätere Umbauten an Ausstrahlung verloren. Der Innenraum
birgt das letzte vollendete Gemälde von Arturo Michelena
(Die wundersame Brotvermehrung) sowie eine Silberplatte
mit der Gravur (Gloria a Maria), die dem Volksheiligen
Dr. Hernández zugeschrieben wird. Gottesdienste haben
hier niemals stattgefunden. Der Säkularisation unter
Guzmán Blanco fiel auch die sechs Häuserblocks
nördlich er Plaza Bolívar gelegene dreitürmige Kirche
La Santísima Trinidad zum Opfer. Das Gotteshaus wurde
zwischen 1874 und 1875 so umgestaltet, daß es nur noch
die ihm zugedachte Funktion als nationale Begräbnis- und
Gedächtnisstätte erfüllen konnte. Seit der feierlichen
Einweihung 1875 heißt es daher offiziell Panteón Nacional.
Im Jahr darauf wurden die sterblichen Überreste
Bolívars aus der Kathedrale hierher überführt.
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