Kavac

Von den drei Siedlungen der Kamarakoto-Indianer am
Südfuß des Auyán-Tepuy (Kamarata, Kavac und Uruyén)
hat Kavac die größte touristische Bedeutung. Zum einen
liegen die 15 bis 20 Rundhütten des Dorfes derart
malerisch vor der Kulisse des Tafelberges, daß das
Panorama des von der Abendsonne in warmes Licht
getauchten Ortes zu den schönsten Motiven der
Fremdenverkehrswerbung des Landes zählt. Zum zweiten
verfügt das Dorf über einen asphaltierten Landestreifen
und eine bescheidene Lodge. Und zum dritten kann man von
hier aus geführte Touren zu zwei großartigen Zielen
unternehmen: zur Cueva de Kavac und auf den Gipfel des
Auzán-Tepuy.
Der Weg zur Cueva de Kavac ist ungefährlich, in den
regenreichen Monaten kann man aber einige Abschnitte nur
schwimmend zurücklegen. Doch selbst in der Trockenzeit
ist es ratsam, Badebekleidung mitzunehmen. Das erste Ziel
nach einem halbstündigen Fußmarsch, der zum Teil durch
den Dschungel führt, ist eine kleine Kaskade im Tal des
Río Kavac. Von dort bewegt man sich, teils im Wasser
watend, teils über Felsen kletternd, im Bachbett
aufwärts. Schließlich besteigt man ein Kanu und gelangt
durch eine schmale Schlucht zu einer Grotte, in die sich
ein 15 m hoher Wasserfall ergießt. Der grandiose
Wasserdom wird vom spärlich einfallenden Sonnenlicht in
alle Regenbogenfarben getaucht. Die
Besteigung des Auyán-Tepuy nimmt etwa eine Woche in
Anspruch. Alpinistische Erfahrungen sind nicht notwendig.
Da jedoch täglich 6-8 Stunden gewandert wird, sollte man
gute Kondition mitbringen. Am ersten Tag gelangt man bis
zum Fuß des untersten Sockels (meseta), des Tafelberges.
Am nächsten Tag erreicht und überquert man den zweiten
Sockel; ein Teil des Weges muß dabei mit Buschmessern
freigekämpft werden. Die rund 400 m hohe Felswand, die
sich am dritten Tag der Expedition auftürmt, kann mit
Hilfe einer Art Treppe, die durch Erosion entstanden ist,
überwunden werden. Zur Erkundung des ausgedehnten (700
m2) Hochplateaus ist ein ganzer Tag angesetzt. Dabei sind
u. U. nochmals beträchtliche Steigungen zu überwinden,
da der Südrand rund 800 m höher liegt als der Nordrand.
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