
Die Geschichte der
Perleninsel
In Paraguachoa (wie die
Insel Margarita vor ihrer Entdeckung von den
Ureinwohnern genannt wurde) hatten sich schon
Jahrhunderte vor der Ankunft der ersten Europäer
Eingeborene vom Stamme der Caribes und der
Guaiqueríes niedergelassen. Macanao, Arimacoa,
Charayma und andere Häuptlinge regierten oder
hatten das Territorium der Insel regiert. Seine
reichen Fischfanggebiete hatten sie dazu bewogen,
sich zwischen den dominierenden Berghöhen und
den Ufern eines Meeres niederzulassen, das an
Nahrung und Schmuck einen verschwenderischen
Reichtum aufwies, wie die Perlen, die sie aus dem
Wasser bargen und stolz präsentierten.Sie
konnten sich nicht vorstellen, was es für ihre
Zukunft bedeutete, als an jenem denkwürdigen Tag
ein seltsames Schiff langsam und stetig, mit
prall gefüllten großen Segeln an Ihrer
Ostküste vorbeisegelte, den Bug in Richtung
offener See. Es war der 15. August 1498. Von
diesem Schiff aus sichtete Christoph Kolumbus die
Insel und trug dies in sein Logbuch ein.
Er
nannte sie La Margarita, zu Ehren von Margarete von
Österreich, Prinzessin von Kastilien,
Schwiegertochter der Katholischen Könige. (Bestellen Sie hier
die Biographie!).
Welch famose Übereinstimmung
mit der altgriechischen Bedeutung des Wortes:
Perle!
Der Entdecker hatte natürlich
noch nichts ahnen können von den verborgenen
Schätzen die diese Gewässer beherbergten. Auch
die Eingeborenen des Guaiquerí-Stammes ahnten
nichts von dem kommenden radikalen Wandel, der
ihr Leben und die ganze Welt erfassen sollte, ein
Wandel, symbolisiert durch dieses große Schiff,
welches so harmlos auf der Heimreise von der
dritten Expedition zu dem neu entdeckten
Kontinent an Ihrer Insel vorbeizog. Es kam vom
Festland selbst, einige Kilometer südöstlich
der Insel, dort, wo drei Jahrhunderte später die
Republik von Venezuela entstehen sollte.Im Jahre
1499 setzte Alfonso de Ojeda seinen Fuß auf die
Insel und durchschritt sie, ohne Schwierigkeiten
mit den Eingeborenen zu bekommen. Er begriff,
daß der Admiral hier niemals an Land gegangen
war. Cristóbal Guerra und Pedro Alonso Niño
entdeckten für die spanische Krone und für sich
selbst zuerst die großen Perlenvorkommen der
Nachbarinsel Cubagua, später dann auch
diejenigen der Strände von
Margarita, wo danach die Orte Puerto Fermín,
Puerto Moreno und Porlamar entstanden. Es hatte
somit ein Prozeß begonnen, in dessen Verlauf
sich außergewöhnlich wichtige Momente in der
Geschichte Margaritas mit dem Schicksal
Venezuelas verknüpfen sollten. Es war an der
Entwicklung Venezuelas ab dem Moment der
Entdeckung beteiligt und spielte eine wichtige
Rolle während der ganzen Phase der Eroberung und
der Kolonisierung, bis es den Höhepunkt in der
historischen Heldentat seiner Einwohner für die
Unabhängigkeit erreichte; eine Heldentat, welche
den heutigen Namen desBundesstaates begründete,
den es zusammen mit den Inseln Cubagua und Coche
bildet: Nueva Esparta (Neu-Sparta); zu Ehren des
grenzenlosen und spartanischen Mutes seiner
Bewohner.
Schon früh in der Geschichte
Amerikas beteiligte sich das Paraguachoa der
Eingeborenen am internationalen Geschehen. Die
Perlen der Nachbarinsel Cubagua und seine eigenen
Austernbänke zogen Abenteurer an, die, von La
Española (Santo Domingo) kommend, die ersten
Siedlungen gründeten. So entstand am Anfang des
fünfzehnten Jahrhunderts auf Cubagua der Ort La
Villa de la Nueva Cádiz, auf der gesetzlichen
Basis der Verträge von Cristóbal Guerra mit der
spanischen Krone ab 1503. Am Anfang gab es nur
einige Lager von Perlensuchern, bis zu der
bereits erwähnten Gründung von La Villa de la
Nueva Cádiz etwa im Jahre 1528.
Es war dies die erste
europäische Siedlung in Südamerika. Es
verstärkte sich daraufhin der Handel mit den
Indios und man begann, sie zu unterwerfen und als
Sklaven zu halten. Fray Bartolomé de las Casas,
der große Fürsprecher der Indios, beschrieb wie
sie in den Austernbänken dezimiert wurden, unter
dem Druck und der Habgier der Menschen, die
illegalerweise dieses Land und die Inseln
ausplünderten.
Das von Cubagua abhängige
Margarita wurde ebenfalls bevölkert und litt
unter demselben Schicksal der zügellosen
Habgier, während De Las Casas und andere Mönche
mit ganzem Einsatz für die Rechte und das Leben
der Ureinwohner kämpften.
Die tapferen Indios vom Stamm
der Guaiqueríes kämpften gegen die Spanier bis
sie es schafften, diese im Jahre 1520 von Cubagua
zu vertreiben, aber ab dem Jahre 1528 wurden die
Lager wieder aufgebaut und befestigt und es
entstand La Villa. Die Perlenvorkommen wurden
aufgrund der Überausbeutung langsam aber sicher
geringer und in demselben Maße wanderten die
Kolonisatoren nach Coche und Margarita ab.
Margarita wurde daraufhin das Zentrum für den
Sklavenhandel, die man vom Festland auf die
Antillen holte und umgekehrt. Im Jahr 1541
zerstörten ein Erdbeben und eine Flutwelle die
Siedlung von Cubagua. Die Überlebenden
verteilten sich auf Margarita und dem Festland in
Richtung Cumaná.
Schon im Jahr 1525 existierten
einige spanische Siedlungen auf der Insel. Die
erste davon war Valle des San Juan, gegründet
von Pedro de Alegría. Margarita wurde zum Sitz
der ersten unabhängigen Provinzregierung
Venezuelas, auf der Basis eines Vertrages
zwischen Kaiser Karl V. und Marcelo de
Villalobos. Dessen Familie regierte während der
folgenden drei Generationen und steckte ihr
ganzes Vermögen in die Niederlassungen der
Kolonisten.
Zwischen 1528 und 1542
herrschten die Spanier über ganze Täler und
gründeten Ortschaften, wobei Pater Villacorta
ganz entscheidend beteiligt war.
Im Jahre 1529 wurde die
Ortschaft Valle del Espíritu Santo gegründet,
welche später zur ersten Hauptstadt werden
sollte. Die Familie Villalobos gründete in einer
tiefen Bucht den Puerto de Pampatar im Jahre
1530. Santa Ana wurde ebenfalls 1530 gegründet,
als Villa del Norte, von Diego de Coronado, in
einem idyllischen Tal auf halben Weg zwischen dem
heutigen La Asunción und Juan Griego.
Im Jahre 1536 gründete
Villacorta den Ort De la Mar, der heute Porlamar
heißt.
Die herrschende Familie,
zusammen mit den Verkündern des Evangeliums und
den aus Spanien gekommenen Eroberern und
Kolonisten, bemühte sich, in den fruchtbaren
Gebieten der Insel die Voraussetzungen für den
Ackerbau zu schaffen, besonders in den Tälern um
die neu geschaffenen Siedlungen. Diese neuen
landwirtschaftlichen Produkte, zusammen mit dem
Fischfang, den natürlichen Früchten und dem
Perlenreichtum, trugen wesentlich zu einem
wichtigen Wirtschaftsaufschwung bei.
Ebenfalls von den ersten
Anfängen an etablierte sich auf Margarita das
erste Zentrum der Viehzüchter auf dem Kontinent.
So erlebten die Täler von Santa Lucía, Santa
Ana, San Juan, Espíritu Santo und die Gegend von
Paraguachí, nahe bei dem Ort La Fuente, durch
die Mühe von Leuten, die sich weit weg von der
spanischen Heimat für die Kolonisierung der
Neuen Welt einsetzten, eine große Blütezeit.
Währenddessen griffen Piraten
aus aller Herren Länder die Insel an und
verwüsteten weite Teile derselben. Sie wurden
durch den Perlenreichtum rund um die Insel
angezogen. Im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts
zählte man insgesamt vierzehn größere Angriffe
auf die Einrichtungen der Spanischen Krone. Zur
selben Zeit baute man sieben Festungen auf
Margarita, die eine bessere Verteidigung der
Insel erlaubten.
Im Jahre 1562 wurde die
Regierung der spanischen Kolonie in das
fruchtbare Tal von Santa Lucía verlegt. Dieser
Platz war strategisch günstiger plaziert und bot
bessere Verteidigungsmöglichkeiten gegen die
Angriffe der Piraten und der aufständischen
Indios. Außerdem herrschte dort ein angenehmeres
Klima. Hier gründete man die Stadt La Asuncíon,
welche im Jahre 1594, nach dem Tode des letzten
Villalobos zur Hauptstadt von Margarita werden
sollte. Die Staatsmacht ging dabei wieder direkt
an die Spanische Krone zurück.
Damals waren schon
verschiedene Siedlungen angelegt worden und es
war eine koloniale Architektur entstanden, die in
der Hauptsache von der katholischen Kirche von La
Asunción, deren seitlicher Turm der älteste
seiner Art in Venezuela ist, außerdem
von der Casa Capitular, dem Sitz der
Kolonialregierung und von der Kirche Santa Ana,
in dem Ort desselben Namens erbaut,
repräsentiert wurde.
Im Laufe des sechzehnten
Jahrhunderts war Margarita eines der Szenerien
und strategischen Punkte der Eroberung de
südamerikanischen Kontinents.
Hier begann auch die
Vermischung der Rassen, das sogenannte
Mestizentum. Dieses stellt die Grundlage dar für
die venezolanische Bevölkerung. Spanier,
Guaiqueríes und Caribes waren der Ursprung der Mestizen. Ausgerechnet
einer der mutigen Abkömmlinge dieser
Rassenmischung, Francisco Fajardo, Sohn der
Häuptlingsfrau Isabel und eines spanischen
Edelmannes, begann von Margarita aus die
Eroberung der Täler im Herzen Venezuelas. Er war
durch seine familiären Bande - sein Großvater
war der Käsige Charayma - und durch das
Beherrschen mehrerer Sprachen der Indios
prädestiniert dazu.
Es gelang ihm, zwischen 1555 und 1560 drei
Expeditionen zu organisieren, wobei er von seiner
Mutter und von den befreundeten Kaziken des
nördlichen Venezuela unterstützt wurde:
Guaicamacuro und Naiguatá. Er erhielt von den
Gouverneuren der Provinz die Erlaubnis, seinen
Auftrag zu erfüllen und gründete dann den Ort
La Villa de San Francisco, die erste spanische
Niederlassung im Tal des Indio-Stammes Los
Caracas, wo heute die Hauptstadt Venezuelas
liegt.
In dieser Zeit war ein
spanischer Abenteurer an der Küste der Insel
gelandet, Lope de
Aguirre, mit dem Beinamen "Der
Tyrann". Er kam über den Amazonas aus Peru.
Ein Mann, der nur seine eigenen kriminellen
Gesetze kannte und sich nicht um die Königliche
Autorität kümmerte. Er kam nach Margarita, sein
eigenes kleines Heer im Gefolge, da er von den
Reichtümern der Insel gehört hatte, und legte,
unter den beunruhigten Blicken der Inselbewohner,
in der Bucht von Paraguachí an, dem heutigen
Puerto Fermin oder El Tirano. Jedoch schaffte es
Aguirre, ein Mann von unheilbringender
Intelligenz und Schläue, die vertrauensvollen
Siedler und selbst den Gouverneur zu täuschen,
indem er so tat, als müsse er Lebensmittel und
irgendwelche Materialien einkaufen, um nach Peru
zurückkehren zu können. Auf diese Art und Weise
konnte er den naiven Gouverneur stürzen, seine
Truppen entwaffnen und alle zusammen ins
Gefängnis werfen. Dort erwarteten sie grausame
Foltern und schließlich der Tod.
Aguirre setzte daraufhin seine
bekannte Praxis der Plünderungen fort, beraubte
die Staatskasse, die vor Perlen und Gold
strotzte, verwüstete die Insel und beging eine
Unzahl weiterer Verbrechen und widerlicher
Grausamkeiten gegen alle möglichen Leute und
besonders gegen alle, die sich ihm in den Weg
stellten. Unter diesen Menschen befanden sich
viele Dominikanermönche, die durch ihre
ehrenhafte Haltung, ihren Mut, ihre moralische
Reinheit und ihre religiösen Tugenden
hervorstachen.
Als
Francisco Fajardo im Jahre 1561 auf die Insel
zurückkehrte, von seinen Freunden benachrichtigt
und begleitet von sechzig Indios, um den Tyrannen
gefangenzunehmen, entwischte ihm dieser auf einer
eilig in die Wege geleiteten Flucht.
Man brauchte
einige Jahre, um die materiellen Schäden, die
der Tyrann Aguirre in nur vierzig Tagen
hinterließ, zu beheben. Der Tod von vielen
unschuldigen Menschen war jedoch nicht mehr
gutzumachen.

Margarita erlebte im Laufe des siebzehnten
Jahrhunderts den Bau seiner berühmten Burgen:
die Burg von Santa Rosa, die über La Asunción
wacht, und die von San Carlos Borromeo, welche
schützend über Pampatar steht, sowie die
Festungen von La Caranta, Juan Griego, das Fort
España und einige andere. Die Kraft des Meeres,
der unzähmbare Charakter der Guaiquerí-Leute
und die spanischen Edelmänner formten zusammen
mit afrikanischen Einflüssen die Wesenszüge der
Rasse der Margariteños. Es ist ein Volk, das die
Evangelisierung und die aufgedrängte Kultur der
Spanier assimilierte und gleichzeitig an seinen
eigenen Werten festhielt. Sie machten sich die
traditionelle Anbetung der Virgen del Valle
(Jungfrau de Tales) zu eigen, ein Schnitzwerk,
das von Spanien kam und für Peru bestimmt war
und irrtümlich im siebzehnten Jahrhundert in
Margarita blieb. Das Zentrum der Anbetung dieser
Jungfrau war die Kirche des Valle del Espíritu
Santo (Tal des hl. Geistes) und es waren die
Guaiquerí-Indios selbst, welche diesem Glauben
frönten, seit sie die Figur in der Höhle des
Piache gefunden hatten. Dort hatte sie der Pater
Villacorta zurückgelassen. Heutzutage ist sie
der Fokus des tiefen religiösen Empfindens der
Menschen von Margarita. Paraguachoa - ein Ort
großer Fischschwärme und riesiger
Perlenvorkommen, an dem sich rund um die kargen
Hügel, die Lagunen mit ihren Mangrovenwäldern
und Salinen, die grünen Täler und dichten
Bergwälder, ausgedehnte und herrliche Strände
und Buchten erstrecken. Kolonisiert und auf den
Namen Margarita umbenannt ging es ins neunzehnte
Jahrhundert, in welchem es bevölkerungsmäßig
und wirtschaftlich weiterwuchs. Gleichzeitig fand
es nach und nach Zugang zur venezolanischen
Gemeinschaft, mittels der Real Cédula von 1739,
welche eine teilweise Abhängigkeit der Insel von
der Regierung der Provinz von Venezuela
festschrieb, zusammen mit Maracaibo, Cumaná und
Guayana. Im Jahre 1777 wurde sie dem
Generalkapitanat von Venezuela unterstellt und
war somit eine der sechs Provinzen.
Das spanische Kolonialsystem
mußte in dieser Zeit seine ersten Niederlagen
einstecken und der wachsenden Macht der Kreolen
weichen. Der Traum von El Dorado begann zu
verfliegen, da es nicht aufzufinden war. Und das,
obwohl dem spanischen Königreich durch die
Entdeckung Amerikas immense Reichtümer
zugeflossen waren, an denen die Perlen von
Margarita während der ersten Jahrhundert der
Kolonie einen ausgesprochen hohen Anteil hatten;
sie stellten bis zu einem Drittel der aus der
Neuen Welt kommenden Einkünfte dar. Margarita
schloß sich ohne zu zögern im Jahre 1810 der
revolutionären Bewegung an. Ein erlauchter Sohn
der Insel, Juan Bautista Arismendi, setzte sich
entschieden dafür ein. Arismendi stürzte den
spanischen Gouverneur und übernahm die
Befehlsgewalt über das Eiland, unterstützt vom
Freiheitsdrang der Margariteños.
Margarita wurde nach und nach
zu einem der Zentren der Revolution im Osten und
unterstützte tatkräftig im ganzen Land die
kriegerischen Aktionen eines der Bahnbrecher der
Revolution (Miranda) und später des Befreiers
Simón Bolívar.
Santiago
Mariño, geboren im Valle des
Espíritu Santo, schloß sich der
Befreiungsbewegung an und kommandierte ab 1810
die Aktionen in der Guayana.
Noch ahnten die Bewohner der
Insel nicht, wie heroisch und tapfer man in naher
Zukunft um sie kämpfen würde. Die Niederlage
der Bewegung um Miranda im Jahre 1812 zwang die
Margariteños dazu, ihre Waffen niederzulegen. Es
begann nun ein langer Kreuzzug von Verfolgungen
und Gefängnisaufenthalten, welcher die tapferen
Neuspartaner jedoch nicht in die Knie zwang.
Aber
bald gruppierten sich die Venezolaner aufs neue
und gleichzeitig startete der Befreier Simón Bolívar
im Jahre 1813 seinen Feldzug von den Anden aus in
Richtung des Landesinneren. Mariño, Bermúdez
und ihre Inseltruppen begannen den
Befreiungskampf im Osten des heutigen Venezuela.
Arismendi übernahm 1813 die
Regierung von Caracas. Am 15. April 1814 feierten
Bolívar und Mariño in der Stadt La Victoria, in
der nördlichen Zentralregion des Landes gelegen,
ihren Sieg. Dort war in gewisser Weise auch
Margarita zugegen, deren Kinder immer tapfer für
die Befreiung von den spanischen Unterdrückern
gekämpft hatten. Bald reagierten die Royalisten,
sie beorderten Verstärkung von den Antillen und
der Iberischen Halbinsel und es entbrannte ein
gnadenloser Kampf, in dessen Verlauf viele ihr
Leben lassen mußten und der auch die
Bevölkerung von Margarita nicht verschonte wo
einmal mehr Arismendi sich als sein einzigartiger
Patriot erwies.
Gegen Ende des Jahres 1814 -
die Niederlage der Revolution unter dem Ansturm
der spanischen Krone zeichnete sich schon ab,
nahm Margarita alle Flüchtlinge auf, die aus dem
Zentrum von Venezuela vor den Grausamkeiten der
Royalisten flüchten konnten und im Osten Schutz
suchten. In dieser Epoche erschien die
Heldin Luisa Cáceres und
vermählte sich mit dem General Juan Bautista
Arismendi. Der große Kämpfergeist der Leute von
Margarita konnte nicht verhindern, daß man sie
verfolgte und einsperrte - so landete die junge
Frau des Generals im Kerker einer Burg in
Margarita.
Aus Spanien landete nun eine
mächtige Truppe, unter der Befehlsgewalt von
General Pablo Morillo, die geschickt wurde, um
die Krone zurückzuerobern. Arismendi und seine
tapferen Mitstreiter nahmen ein Amnestieangebot
an, da ihre Lage aussichtslos geworden war. Als
Pablo Morillo zum Festland und in Richtung Neu
Granada weiterzog, entfachte sich neuerdings der
Kampf in Margarita. Die spanische Gerichtsbarkeit
versuchte den Willen der Inselbewohner durch
Grausamkeiten und Erpressung mit
Gefängnisstrafen und Morddrohungen gegen Luisa
Cáceres de Arismendi zu brechen, welche auch
noch ein Kind verlor, welches sie im Kerker der
Burg Santa Rosa gebar. Ihr heroischer Gemahl
versuchte vergebens, sie zu befreien. Die Heldin
wurde danach nach La Guaira, nach Caracas und
später nach Cádiz in Spanien verfrachtet.
Arismendi setzte seinen
verbissenen Kampf fort und erreichte im Jahre
1816 mit dem Sturz der Festung von Pampatar die
Befreiung der Insel.
Im selben Jahr kam neuerdings
der Befreier Bolívar, diesmal aus Haiti und
setzte den Kampf um die Freiheit Venezuelas fort.
Es war die Insel Margarita, die ihn aufnahm und
ihm jede Hilfe zukommen ließ, damit er den
Unabhängigkeitskampf auf dem Kontinent
fortsetzen könne und in ihren Wassern spielte
sich die berühmte Schlacht zur See (Die Mönche)
gegen die spanische Truppe ab.
Aber das spanische Königreich
gab noch nicht auf und schickte 1817 nochmals
Morillo, der wild entschlossen war, die begehrte
Insel und den Rest des Festlands
zurückzuerobern. Aber auch die Margariteños
wichen nicht zurück und es entbrannten wilde
Schlachten, in denen die venezolanischen
Landsleute, ihrer unzureichenden Bewaffnung zum
Trotz einigen wichtige Siege errangen. Einer
dieser Erfolge war der Sieg vom Cerro de
Matasiete am 31. Juli 1817, unter der
Befehlsgewalt von General Francisco Estéban
Gómez aus Santa Ana, der mit
eintausenddreihundert tapferen Kriegern und der
Hilfe der Menschen der anliegenden Gebiete in
einer siebeneinhalb Stunden andauernden Schlacht
an die dreitausend altgediente spanische Soldaten
bezwang; eine Tat, die sogar unter den
königstreuen Erstaunen und Bewunderung
hervorrief, deren Kommandant der Krone in Spanien
einen Bericht über "den Mut, die
Unerschrockenheit und die Hartnäckigkeit der
Aufständischen" zukommen ließ.
Der geschlagene spanische
Feldherr Morillo zog daraufhin nach Norden und
griff einige Tage später das Dorf Juan Griego
an. Er opferte auf dem Schlachtfeld mehr als
zweihundert tapfere Patrioten, bei der Laguna
Salada heute Laguna de los Mártires, unweit von
der Bucht La Galera. In Juan Griego starben die
tapferen Kämpfer Cayetano de Silva und Francisco
Adrián.
Die Entschlossenheit der
Patrioten von Margarita, nicht vor dem Ansturm
des spanischen Reiches zurückzuweichen und die
Erfolge der Revolution auf dem Festland,
besonders im Osten, in Guayana und in Apure,
zwangen Morillo, sich von Margarita via Pampatar
zurückzuziehen. Die ungebändigten Patrioten
sahen dem endgültigen Abzug Morillos von den
Stränden und Höhen Margaritas aus zu. Das war
der Beginn der sehnsüchtig erwarteten
Unabhängigkeit der Insel.
Im Jahre 1818 kehrte die aus
den spanischen Kerkern über Philadelphia
geflüchtete Luisa Cáceres de Arismendi zurück.
Der Krieg auf dem Festland ging weiter und die
Söhne der Insel eilten ihren Kompatrioten zu
Hilfe. Arismendi und Mariño nahmen an allen
wichtigen Schlachten teil. Ersterer der beiden
sollte später Vizepräsident der Republik
werden, zweiterer wurde Generalkommandant von
Cumaná und später von Maturín. Der 24. Juli
1821 war der Tag der entscheidenden Schlacht von
Carabobo, welche die Unabhängigkeit Venezuelas
besiegelte. Auch Soldaten aus Margarita hatten
einmal mehr daran teilgenommen, unter der
Führung des Generals Santiago Mariño, welcher
in dieser ruhmreichen Geschichte als Chef des
Generalstabes des Befreiers Simón Bolívar
auftrat.
Als diese epische Heldentat
vollbracht war, kehrte in Margarita wieder die
gewohnte Ruhe ein. Man widmete sich dem Fischfang
und der Folklore, aber die Erinnerung an diese
glorreiche Zeit blieb erhalten. In jener Zeit
wurde die Legende von María Guevara geboren,
einer unternehmungslustigen Frau aus Cumaná, die
sich zwischen 1825 und 1830 in Punta de Piedras
niedergelassen hatte. Sie trug viel zu der
Entwicklung dieses Gebietes bei und widmete sich
hauptsächlich der Suche nach Trinkwasser. Die
Legende schrieb ihr schöne Brüste zu, die den
beiden abgerundeten, den Isthmus dominierenden
Hügeln von La Restinga scherzhaft ihren Namen
gaben. Diese Höhen dienten den Fischern auf
hoher See als Orientierungspunkt.
Die Perlenindustrie erlebte zu
Ende des neunzehnten Jahrhunderts eine
Wiederaufschwung, aber sie wurde nicht auf
geordnete Weise betrieben. Von Beginn des
zwanzigsten Jahrhunderts an bis zum Jahre 1934
erzielte man in besagter Industrie gute Gewinne.
Nach 1944 wurden die ersten Austern-Schutzgesetze
erlassen und ab 1962 war die Perlensuche
praktisch verboten, da die Bestände nach Jahren
übertriebener Suche und aufgrund anderer
natürlicher Vorgänge gefährlich zur Neige
gingen.
Andererseits begann man
Margarita im Laufe der ersten Jahrzehnte unseres
Jahrhunderts als eine Erholungsstätte zu
schätzen, dank der Schönheit seiner Strände,
Buchten, Täler und Berge; auch wegen der
Freundlichkeit und dem Charme seiner Bewohner und
der Ruhe eines harmonischen und friedvollen
Lebens.
In den fünf Jahren zwischen
1969 und 1974 wurde die Entwicklung durch die
Schaffung einer Zollfreizone mit Zentrum in
Porlamar gefördert, was die Attraktivität der
Insel noch erhöht.
Von diesem Moment an erlebt
Margarita einen großen Aufschwung im Bereich des
Hotelwesens und des Baus von Feriendomizilen, des
Handels und Tourismus. Und auch wenn einerseits
ihre Ursprünglichkeit darunter sehr leidet,
besonders in Porlamar und seinen angrenzenden
Gegenden, versucht man doch andererseits die
Traditionen und volkstümlichen Reichtümer, die
Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit und
den besonderen Charme dieses Fischervolkes zu
bewahren.
Diese Entwicklung im Bereich
des touristischen Bauwesens und die Vermehrung
der Geschäfte in der Zollfreizone haben
außerdem einen großen Zuwachs an in- und
ausländischen Besuchern bewirkt, wie auch an
Arbeitern, die vom Festland kamen. Das erhöhte
wiederum den Bedarf an
Dienstleistungseinrichtungen und kurbelte die
Entwicklung des Gesundheits- und
Erziehungswesens, des Straßenbaus und der
Trinkwasserversorgung an. Auch wurde sowohl von
öffentlicher Seite, als auch von Bürgern und
Organisationen die Restaurierung
architektonischer Juwelen und die
Aufrechterhaltung der kulturellen Werte der
Inselbewohner betrieben, was eine Erhöhung der
Arbeitsplätze in diesen Bereichen zur Folge
hatte.
Wo die Natur sich in
verschwenderischer Schönheit ergoß, von Macanao
bis zum Cabo del Norte, über La Restinga und den
Cerro Copey. Durch Täler und über Hänge.
Umgeben von Stränden und Buchten. Von Gott reich
beschenkt an Früchten des Meeres.
Wo Ruhm und Heldentum mit dem
freundlichen Wesen der Menschen einhergehen.
Besessen von tiefem religiösem Eifer, dem Schutz
der Virgen del Valle unterstellt, sieht es sich
zu gleicher Zeit einem hemmungslosen
Materialismus gegenüber, ebenfalls ein Produkt
seiner Entwicklung, der wie die alten Seeräuber
versucht seine Küsten einzunehmen.
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