| Willkommen auf der Margarita-Inseltour!
Eine besonders gut informierte Teilnehmerin der Inseltour, wußte aus einem Reiseführer vom letzten
Überbleibsel der ehemaligen Stadtmauer in der Inselhauptstadt zu berichten und wünschte
sich sehnlichst die noch fehlende optische Ergänzung. Kein Problem, wir haben uns für
eine "individuelle Tour" entschieden und sehen deshalb "El puente viejo", was übersetzt:
"die alte Brücke" heißt, gleich zu Beginn unserer Inseltour.
Fürs Erinnerungsfoto verlassen wir unseren Kleinbus das erste
Mal seit Beginn der Tour vor 15 Minuten, nachdem wir von unserem Hotel in Playa El Agua abgeholt wurden. Hier, in La Asunción, der Hauptstadt der Insel, sehen wir am
Hauptplatz das Denkmal von Simon Bolívar und erfahren
Wissenswertes über ihn und das von ihm befreite Venezuela.
Aber es ist dies nicht das einzige Denkmal, sondern wurde auch
einer Frau ein Ehrenmal gewidmet, welches sich ebenfalls auf der Plaza befindet. Die Schilderung der unglaublichen Geschichte dieser Heldin Luisa
Cáceres würde im Anschluß bei der Besichtigung der über der Stadt thronenden
Festung fortgesetzt werden, versprach unser Reiseleiter und lud uns zum Frühstückskaffee
ein. Dieser schmeckte wesentlich besser als der in unserem Hotel und so gestärkt konnten
wir die Stadtbesichtigung der verträumten Inselmetropole fortsetzen.
Nach der Besichtigung der Kirche Nuestra Señora de la
Asunción ging´s zur schon versprochenen Festung, wo die Spanischen
Eroberer die (am Hauptplatz
gesehene) Heldin in den Kerker verbannten um den Aufenthaltsort Ihres Mannes, der für die
Unabhängigkeit kämpfte, zu erfahren. Vergebens, wie uns die Geschichte lehrte.
Trotz mehrjähriger Haft in Margarita und in Spanien verriet sie ihn nicht und kehrte nach
geglückter Flucht über Nordamerika auf die Insel zurück. Hier traf sie wieder Ihren
Mann, dem sie viele Kinder gebar und bis ins hohe Alter ein doch noch glückliches Leben
führte.
Den reizvollen Blick über die
Hauptstadt hielten wir für die Daheimgebliebenen (selber schuld...) auf Foto fest und
waren schon gespannt auf einen Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes: Wir hatten den
höchsten Berg der Insel im Visier und sollten dort auch echten Regenwald sehen!
Es blieb nicht nur bei den
Baumriesen, sondern wir erklommen auch den Cerro El Copey und
wunderten uns nicht schlecht, als wir hörten, daß nur wenige Inselbesucher in den Genuß
eines Ausblicks von hier aus über die gesamte Insel kommen, weil die Bergstraße von den
Autos alles abverlangt und sich daher nur ganz Wenige hinaufwagen. Je höher unser
bequemer Kleinbus den Berg raufkurvte, umso kühler wurde es, was unseren Fahrer und
Tour-Guide dazu veranlaßte, die Klimaanlage abzuschalten und wir die Fahrt mit
geöffneten Fenstern fortsetzten. Am "Gipfel" angekommen genossen wir die
erfrischende Kühle und erhielten dank Panoramablick eine Vorstellung von der Größe der
Insel Margarita und ihrer Nachbarinseln Coche und Cubagua.
Hierher fahren die Inselbewohner also, wenn Sie genug haben von
der karibischen Sonne. Wir befinden uns in einem der drei Nationalparks der Insel und wir
hätten´s hier noch länger ausgehalten, aber die Neugier, was wohl nach dem Berg noch
auf uns wartet, war dann doch der Antrieb, die (Ab-) fahrt zu beginnen.
So kamen wir ins zauberhafte Tal El
Valle, dem wichtigsten Wallfahrtsort Venezuelas. Die Wunder wirkende "Jungfrau des Tales", verehrten
schon die Perlenfischer. Den Beweis für die bis heute nicht verblaßte Wunderkraft der
Jungfrau erhält der Zweifelnde (wie wir) im dortigen Museum. Es war niemand geringerer,
als der heute amtierende Präsident, dessen Fürbitten (und das Opfern seines
Offiziers-Schwerts) erhört wurden!

Nachdem wir also historischen Background und
geographische Übersicht erhielten, gings weiter zur Jetzt-Zeit. Wo kann man den Alltag
und die Mentalität der Inselbewohner wohl besser entdecken, als am Markt?
Der größte der Insel in Conejeros
stellte unser nächstes Ausflugsziel dar. Unser Reiseleiter lud uns zu Geschmäckern und Gerüchen ein, und die Palette der
Köstlichkeiten reichte vom Zuckerrohrsaft über exotische Früchte bis hin zu karibischen
Gewürzen. Danach begaben wir uns auf einen halbstündigen Einkaufsbummel bei den Textil-
und Allerlei-Ständen. Es fand sich dann dort auch ein fast echter 501-er-Gürtel. Leder
echt, Schnalle gut getroffen, das Ganze um zwanzig Mark. Den knalligen Bikini hingegen
glaubte die Urlauberin aus Deutschland schon für weniger als die hier verlangten sechzig
Mark gesehen zu haben
Auf der Weiterfahrt in den Westen war es
nicht nur die Bordbar, die unsere stetige Aufmerksam erweckte, auch die Kakteenwälder
durch die wir glitten, und die Merenque und Salsa-Rythmen aus der bordeigenen
Hi-Fi-Anlage erinnerten uns angenehm daran, daß wir tatsächlich auf einer Karibikinsel
unterwegs sind, nein, kein Traum!
Margarita - das
wußten wir auch nicht - besteht eigentlich aus zwei Inseln, welche nur durch eine schmale Sandbank miteinander
verbunden sind. Die einzige Verbindungsbrücke überquerten wir und kamen kurz darauf ins Museo Marino. Das Gerippe eines riesigen Wals
ist von weithin sichtbar. Es wurde vor wenigen Jahren auf der Nachbarinsel Cubagua
gefunden, wo der große Meeressäuger strandete. In den Wassern rund um die Inseln können
Wale und Delphine beobachtet werden und wer von Margarita aus einen Boots-Ausflug oder
einen Segel-Törn bucht, kann ziemlich sicher sein, zumindest Flipper zu begegnen. Die
Vielfalt der Meeresfauna und Flora wird im Meeresmuseum sehr übersichtlich dargestellt.
Sogar ein eigenes Non-Stop-Kino im ersten Stock ist vorhanden. Im kimatisierten Kino-Saal
wird die Unterwasserwelt des karibischen Meeres samt beruhigendem Sound auf die Urlauber
losgelassen. Wer hätte gedacht, daß wir zwischen unzähligen Kakteen und Sanddünen auf
ein derart modernes Museum stoßen würden!
Wir befinden und in Boca del Rio, der letzten größeren Ansiedlung
(Fischer), bevor wir uns aufmachen, noch weiter in den Westen zu reisen.
Auf dem Weg dorthin begleitete uns zur
Linken das Meer und kilometerlange menschenleere Strände. Wir befinden uns also am
Südrand der westlichen Inselhälfte, der Halbinsel Macanao.
Die höchste Erhebung dieses Inselteils ist der Cerro San Francisco,
dessen Massiv uns einige Kilometer lang zu unserer Rechten begleitet.
Der Ruhe suchende Tourist wird fraglos diese
Gegend dem belebteren Ostteil vorziehen. Hier begegnen uns auf der gut ausgebauten Straße
fast keine Autos. Ein Fischerdorf nach dem anderen taucht nach jeder Bucht auf. Alles
dreht sich hier ums Fischen.
In traditioneller Bauweise ohne Plan und
Computer werden hier erstaunlich große Boote gebaut, was wir auch auf Foto
verewigten.Unser Reiseleiter hat uns bisher nicht zuviel versprochen, und tatsächlich hat
er auch nicht übertrieben, als er uns "Riesenlangusten" ankündigte.
Die lebenden Prachtexpemplare präsentierte
er uns persönlich, und dann hieß es für die armen Tierchen: ab in die Küche! Wir
hätten hier die halbe Stunde Wartezeit auf die Hummer im Meer badend verbringen können,
aber wenngleich der Strand tatsächlich karibisch war, verplauderten wir uns im schattig
urigen Strandlokal und ehe wir uns versahen, waren die bestellten Langusten und
Fischfilets serviert.
Ob´s schmeckte? Unser Bild sagt -
hoffentlich - mehr als 1000 Worte! Unser Reiseleiter hatte nun seine für heute wohl
schwierigste Aufgabe zu bewältigen: Uns von diesem Karibiktraum wegzulotsen, rein in den
Tourbus und wieder in Richtung "Heimat", wo wir noch den größten Naturpark der
Insel sehen sollten.
Die Bordbar half dann doch, die Wehmut zu mildern und
die Lagune gehörte uns - fast - alleine. Teilen mußten wir das riesige, sich in viele
Kanäle verzweigende Areal nur mit Pelikanen, Mangrovenwäldern und Seesternen. Letztere
waren im nur wadentiefen Wasser in Mengen vorhanden.
Es ist kurz vor fünf und knapp vor Schließung der Einfahrt in dieses
Naturreservat. Geschicktes timing also! An der Zahl der vorhandenen Ausflugsboote konnten
wir ahnen, daß hier tagsüber einiges los ist, genießt doch die Lagune den Status der
Top-Insel-Attraktion! Daß Margarita viele Gesichter hat, haben wir heute live erlebt.
Vom kühlen Bergklima zur tropischen Hitze
bis hierher in den kühlen Schatten der idyllischen Lagune. Wie schnell doch der Tag
verflogen ist! Wir steuern schweren Herzens die letzte Station auf der Tour über die
Insel Margarita an. Unser Ziel heißt Juan Griego, was
übersetzt "Hans der Grieche" bedeutet. Er soll der Legende nach hier als
Schiffbrüchiger in der Bucht aufgetaucht sein und den Rest seines Lebens hier zugebracht
haben. Diese nördlichste Stadt ist die zweitgrößte auf der Insel und beeindruckt durch
ihren wunderschönen Hafen.
Diese Bucht ist auch inselbekannt dafür, daß man den schönsten
Sonnenuntergang geboten bekommt. Den wollten wir noch genießen und schlenderten an
der Mole entlang und suchten uns einen guten Sitzplatz "in der ersten
Reihe".
Nur wenige Wolken waren am Himmel zu
erblicken und die gelbe Kugel wurde immer röter und begab sich auf steile Talfahrt. Es
würde nur mehr wenige Minuten dauern, bis sie ins Meer eintaucht. Wir machten unsere
Nikons bereit und legten uns auf die Lauer. Da! Plötzlich und vollkommen unverhofft
tauchten ganz weit draußen am Horizont einige sanfte Wolken auf und unser schöner
Sonnenuntergang...? Es wurde uns ein perfekter Sonnenuntergang versprochen! Und jetzt das!
Na, ja, nicht so schlimm. Wir wissen ja
jetzt, wie man vom Hotel aus hierher findet und morgen werden wir alleine nach Juangriego
aufbrechen. Aber sonst, ehrlich es war SUPER!!!
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